DOUBLE FEATURE
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Für ihre gemeinsame Ausstellung haben Timo Schierhorn und Katrin Bahrs die Figur Kay Andersson erschaffen. Im Vorfeld der Ausstellung wurde ein Facebook-Profil erstellt, um die Person zu etablieren und um Spuren für die kommende Ausstellung zu legen. Eingeladen wurde mit folgendem Text:


Kay M. Andersson zeichnet in der Ausstellung „selfish” ein Selbstporträt, welches sich aus Filmschnipseln, Found Footage, Fotos und anderen gefundenen Abbildungen zusammensetzt. Verschiedene Materialien, Strukturen und Methoden werden einander gegenüber gestellt, systematisch vermischt und so neben- bzw. übereinander montiert, dass ein Geflecht unterschiedlicher Referenzen entsteht. Anders als im klassischen Selbstbildnis, in dem der Künstler als Schöpfer und zugleich als Motiv in Erscheinung tritt, zeigt Andersson in „selfish” keine Abbildung von sich selbst, sondern reiht Bilder aus unterschiedlichen Kontexten aneinander und zeichnet damit ein vielschichtiges Porträt, welches nie stillsteht und vielmehr zwischen den Bildern zu entdecken ist. Die eher ungewohnte hochformatige Ausrichtung des Videobildes, gerahmt durch einen an der Wand befestigten Monitor, referiert wiederum auf die klassische Tafelmalerei, dem Medium des Selbstporträts schlechthin.

Die individuelle Künstlerpersönlichkeit löst sich im filmischen Porträt in vielen anderen Bildern auf, scheint in einem Prozess von Sehen und Verstehen, Verbinden und Verwerfen zu entstehen und sich zeitgleich zu verlieren. Im Selbstentwurf Anderssons wird uns wieder einmal mehr vor Augen geführt, dass Identität nichts Gegebenes, vielmehr etwas Angenommenes und Konstruiertes, die eigene Subjektivität ein Geflecht aus Bildvorgaben, Phantasiegestalten und von außen herangetragenen Erwartungen ist. Die Arbeit Anderssons zeigt uns, wie man − zumindest kurzfristig − diesen Erwartungen entkommen kann.

Kay M. Andersson wurde von Timo Schierhorn und Katrin Bahrs im Rahmen der Ausstellungsreihe „Double Feature” eingeladen und wird bei der Eröffnung anwesend sein.